Sie fragen sich, wie die Nachfolge im Familienunternehmen geregelt werden kann, wenn Führung und Eigentum in der Familie bleiben sollen? Dann stellt sich die Frage, welches Modell einer Nachfolge innerhalb der Familie am besten zu Ihrer Situation passt.
Die reine Familiennachfolge bedeutet: Sowohl die Führungs- als auch die Vermögensnachfolge bleiben innerhalb der Familie. Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Modelle – mit ihren jeweiligen Vorteilen und Herausforderungen.
Nachfolgemodell 1: Die Thronfolgerlösung
Angelehnt an die Nachfolge im Adel oder in der Höfeordnung wird eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger sowohl für die Unternehmensführung als auch für die alleinige Inhaberschaft bestimmt. Geschwister und andere Erben werden außerhalb des Unternehmens abgefunden, um Pflichtteilsansprüche zu erfüllen. Alle Beteiligten leisten gegenseitigen Pflichtteilsverzicht.
Vorteil:
- Klare Verhältnisse schaffen Stabilität für Kunden, Partner und Mitarbeitende.
- Konflikte zwischen Gesellschaftern werden frühzeitig vermieden.
- Die Nachfolge kann gezielt vorbereitet und begleitet werden.
Nachteil:
- Die Entscheidung für eine Person muss von allen akzeptiert werden.
- Pflichtteilsverzichte und unberücksichtigte Interessen bergen Konfliktpotenzial.
Nachfolgemodell 2: Die Doppelspitze
Vorteil:
- Das Unternehmen bleibt als Ganzes in Familienhand.
- Unterschiedliche Kompetenzen können sich ergänzen.
- Entscheidungen werden gemeinsam getragen.
Nachteil:
- Risiko gegenseitiger Blockaden oder Konkurrenzsituationen.
- Erhöhte Abstimmungsbedarfe in der Führung.
Nachfolgemodell 3: Realteilung
Das Unternehmen wird in materiell getrennte Bereiche aufgeteilt – etwa nach Produktlinien, Regionen oder Geschäftsbereichen. So entstehen mehrere wirtschaftlich unabhängige Unternehmen unter der Kontrolle verschiedener Familienzweige.
Vorteil:
- Jeder Familienzweig erhält klare Verantwortung.
- Unvereinbare Interessen können geordnet getrennt werden.
Nachteil:
- Das Unternehmen verliert an Größe und Synergien.
- Eine gerechte Aufteilung ist schwierig.
- Gefahr der Vermögensminderung.
Hinweis: Die Realteilung kann steuerneutral sein – aber nur unter engen Voraussetzungen. Eine frühzeitige steuerliche Beratung ist unerlässlich.
Nachfolgemodell 4: Die familiengeführte Geschwistergesellschaft
Alle Erben erhalten gleiche Anteile. Die Geschäftsführung liegt bei mindestens einem Familienmitglied, eventuell unterstützt durch externe Manager. So entsteht eine Gesellschaft mit aktiven und passiven Gesellschaftern.
Vorteil:
- Das Unternehmen bleibt vollständig in Familienhand.
- Die Geschäftsführung handelt im Sinne der Familie.
Nachteil:
- Der Gesellschafterkreis wächst mit jeder Generation.
- Unterschiedliche Interessen können zu Spannungen über Investitionen oder Ausschüttungen führen.
Nachfolgemodell 5: Family-Buy-out – Verkauf an Familienmitglieder
Die Nachfolge erfolgt durch Verkauf statt Schenkung. Das kann aus steuerlichen Gründen, zur Altersabsicherung oder zur Wahrung von Fairness sinnvoll sein.
Vor einer Entscheidung müssen jedoch Steuerberater und Fachanwälte prüfen:
- Höhe und steuerliche Auswirkungen des Veräußerungsgewinns
- Nutzung von Freibeträgen
- Finanzierung (Bank-, Verkäufer- oder Gesellschafterdarlehen)
- Auswirkungen auf Unternehmensliquidität und -bewertung
Vorteil:
- Das Unternehmen bleibt in Familienhand.
- Steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten können genutzt werden.
Nachteil:
- Emotionale Belastung durch den „Verkauf innerhalb der Familie“.
- Finanzierung kann die Liquidität belasten und Abhängigkeiten schaffen.
Alternative
Quelle:
Nachfolge im Familienunternehmen von Koeberle-Schmid/Unger
ISBN Print: 978-3-406-68432-6





